100 Jahre Grand Hotel de l'Europe

Grand Hotel de l'Europe - Nobelbau aus der Belle Epoque

seit über 25 Jahren Heimat des Casino Bad Gastein

Am 29. Mai 2009 jährte sich zum 100. Mal der Tag, an dem das Grand Hotel de l'Europe seine Pforten für die Kurgäste Bad Gasteins öffnete.

 

Das alte Wildbad Gastein - durch die Kaiserbesuche so berühmt geworden - verdankte seinen Ruf idyllischer Abgeschiedenheit der Tatsache, dass es fern von den großen Verkehrswegen gelegen war und bis zum Jahre 1905 nur mit der Postkutsche erreicht werden konnte. Als im Jahre 1905 die Nordrampe der 4 Jahre zuvor von Kaiser Franz Josef I. sanktionierten Tauernbahn eröffnet wurde, setzte in Bad Gastein eine Bautätigkeit ein, die nur mit dem Emporblühen der amerikanischen Städt vergleichbar war. Nunmehr an das Weltverkehrsnetz angeschlossen, konnte die Zufuhr der Baustoffe, welche bisher durch das 25 km lange Gasteinertal per Fuhrwerk besorgt worden war, wesentlich schneller und kostengünstiger erfolgen.

 

In der Österreichisch-Ungarischen Monarchie ging man in jenen Tagen daran, den Fremdenverkehr zu beleben. Eine der Persönlichkeiten, die die großen Möglichkeiten auf dem neuen Wirtschaftsgebiet erkannt und bedeutende Pionierarbeit geleistet hatten, war Kommerzialrat Viktor Sedlacek (1867-1937). Er hatte sich zum Ziel gesetzt, das größte und modernste Hotel Bad Gasteins zu errichten. Geplant und ausgeführt wurde der Bau (1906-1909) vom Linzer Dombaumeister Matthäus Schlager in Zusammenarbeit mit der damals führenden Gasteiner Baufirma Angelo Cominis.

 

2,2 Millionen Kronen investierte Kommerzialrat Sedlacek in die Errichtung und Ausstattung des Monumentalbaus, der talseitig 10 Stockwerke aufweist und von der Talsohle bis zur Spitze des Mansardenturmes 55 m misst. Zur Anlieferung der Baumaterialien - ohne die verwendeten 11.000 Kubikmeter Bruchsteine - waren 858 Eisenbahnwaggons zu je zehn Tonnnen erforderlich.

 

Das neue Großhotel versetzte Bad Gastein in die Lage, auch den verwöhntesten Ansprüchen zu genügen und selbst der schärfsten ausländischen Konkurrenz standzuhalten.

Als sich Bad Gastein anschickte, neben der Sommer- auch die Wintersaison auszubauen, realisierte Kommerzialrat Dr. Alfred Sedlacek, Sohn des Gründers, ab 1948 die Adaptierung des stolzen Hauses für den Winterbetrieb.

 

In seiner ebenso glamourösen wie bewegten Geschichte zählte das Grand Hotel de l'Europe Mitglieder des Kaiserhauses, diverser Königshäuser, Vertreter des hohen Adels, der internationalen Diplomatie, sowie Persönlichkeiten aus der internationalen Industrie, Kultur und Wissenschaft zu seinen Gästen.

 

Gegen Ende der 60er Jahre hatten die sich stetig verschlechternden wirtschaftlichen Ergebnisse des Grand Hotel de l'Europe dessen Schließung und später auch dessenen Veräußerung zur Folge. Einige Jahre wartete das stolze Haus auf seine Wiederbelebung, bis der sprichwörtliche frische Wind in der Person des Krisenmanagers Reinhardt Stefan Tomek dem Grand Hotel neues Leben einhauchte. Tomek erwarb das Hotel selbst mit Hilfe einer Investorengruppe und organisierte nach aufwändiger Sanierung des Gebäudes Ende 1982 eine glanzvolle Wiedereröffnung. Anlässlich der Neueröffnung und diverser Silvestergalas im Hotel in den Folgejahren gelang es R.S. Tomek, Größen des internationalen Showbiz wie Liza Minelli, Shirley Bassey, Charles Aznavour und Gilbert Becaud nach Bad Gastein zu holen. Als das Spielcasino Bad Gastein gegen Ende 1984 vom Kongresszentrum ins Grand Hotel de l'Europe übersiedelte, sah sich R.S. Tomek seiner Vision von Bad Gastein als "Monte Carlo der Alpen" ein ganzes Stück näher.

 

Mitte der 1990er Jahre wurde der Hotelbetrieb eingestellt und die Hotelzimmer zu Ferienappartements umgestaltet. Im prunkvoll ausgestatteten Erdgeschoss befindet sich noch heute das von der Casinos Austria AG betriebene Casino Bad Gastein.

 

Quellen: "Grand Hotel de l'Europe" Heinrich v. Zimburg 1959, "Die Geschichte des Grand Hotel de l'Europe in Bad Gastein" Dr. Laurenz Krisch 2009


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